In der Biologie und Chemie reicht es in der Regel nicht aus, sich im stillen Kämmerlein Gedanken zu machen und diese zu Papier zu bringen, um als Forscher zu gelten. Biologen und Chemiker arbeiten in Gummistiefeln im Feld oder im Kittel im Labor, nehmen Proben und produzieren Monate oder Jahre lang neue Daten, ziehen daraus schlaue Schlüsse und publizieren diese in peer-reviewten Journals.
Kurz gesagt ist die Forschung in diesen Disziplinen Knochenarbeit und man braucht dazu neben der guten Idee auch Geld um (1) seine Stelle zu bezahlen, für (2) spannendes Probenmaterial, dessen Beschaffung auch Geld kostet und man braucht die Möglichkeit und das Geld (3) im Labor die nötigen Untersuchungen durchzuführen. Wer alles hat ist ein Glückskind oder der Arbeitsgruppenleiter. Wer eine bio-analytische Methode beherrscht oder ein tolles Gerät in seinem Institut stehen hat (z.B. Durchfluss Zytometer, Laser Microdissection Mikroskop) kann sich von Kollegen Probenmaterial erbitten, es auf eigene Kosten messen und die Kollegen dann als Koautoren im Paper mit aufnehmen – vorausgesetzt sie liefern eigene Daten mit und/oder schreiben einen Teil des Manuskriptes.
Wer Proben hat, aber keine Möglichkeit zum Messen, schnappt sich seine Proben und fährt in ein Labor, das diese Methoden beherrscht und die Verbrauchsmittel sponsert und setzt die Kollegen aus dem besuchten Labor dann als Koautoren mit auf die Publikation an deren Formulierung sie natürlich mitarbeiten. Gut wenn man jemanden kennt, der jemanden kennt …
Wer weder Proben noch ein funktionierendes Labor hat, der bietet nur seine eigene Arbeitskraft an. Das ist meist kein so attraktives Angebot. Besser steht man da, wenn man eine abgefahrene Methode beherrscht wie etwa in-situ Hybridisierung oder LC-MS Geräte einfahren kann und im Gastlabor gerade das gebraucht wird. Wer seine Proben an ein anderes Labor abgibt und die Messung nicht eigenhändig macht, ist im besten Fall Koautor auf dem Paper der messenden Gruppe (umgekehrte Rollenverteilung wie oben). Das geht aber nur dann, wenn ein substanzieller Beitrag zur Publikation geleistet wird. Ansonsten verstößt dieses Vorgehen gegen die Regeln zur „Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ der DFG.
Prinzipiell kann man auch sein Forschungsfeld anpassen. Klassische Forschung (fast) ohne Geld kann man auf mathematischem Gebiet und beispielsweise als Ozeanograph und Modellierer machen. In Ländern mit knappen Forschungsmitteln erfreuen sich diese Disziplinen großer Beleibtheit und ihre Forscher/innen genießen im Ausland einen guten Ruf.
Ganz ohne Geld geht es also (fast) nicht. Wer zu wenig Geld hat, der braucht eine gute Vernetzung in der wissenschaftlichen Community. Gut vernetzte Forscher erkennt man aus den langen Listen der Koautoren aus unterschiedlichen Institutionen auf den Publikationen oder an der Traube von Menschen, die auf großen Konferenzen um sie herum stehen.
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