In dem vergangenen Jahr habe ich die respektable Zahl von 13 Zeitschriftenartikeln begutachtet. Das ist eine ganze Menge und zeitweilig hatte ich mehrere gleichzeitig auf dem Schreibtisch. Natürlich möchte ich meine Empfehlungen nach bestem Wissen und Gewissen abgeben, aber ich bin auch nur ein Mensch. Es gibt Themen die mir besser gefallen und Schreibstile die mich mehr ansprechen als andere. Einen Artikel habe ich in diesem Jahr sogar mit einem Kompliment an die Autoren ohne Revision durch gewunken. Dabei hat sicher auch eine Rolle gespielt, dass ich kurz zuvor einen schwachen Text zu begutachten hatte, den ich abgelehnt hab. Ab und zu bekommt man lieblos zusammengestöpselte Manuskripte nach dem Motto „Miss irgendwas und schwafel vier Seiten lang darüber“. Manche Autoren diskutieren ihre Ergebnisse nicht und hören einfach nach dem Ergebnisteil auf. Dabei ist doch gerade die Diskussion ein wesentlicher Teil der wissenschaftlichen Leistung. Was sage ich zu solchen Artikeln?? Das ist auch deshalb schwierig, weil hier die Wissenschaftskultur im Heimatland der Autoren eine Rolle zu spielen scheint. Europäische oder amerikanische Autoren sind in der Regel viel selbstbewusster und diskutieren ihre Ergebnisse ausführlich.
Auch Reviewer können nicht alles einfach nur „gut“ finden und müssen ein paar Artikel aussortieren. Dabei sind wir gezwungenermaßen subjektiv. Ich hab schon mehrfach beobachtet, dass ein Artikel, den ich gut fand („minor revision“) vom zweiten Gutachter abgelehnt wurde und umgekehrt. Wer Recht hat ist in so einem Fall kaum zu entscheiden und ich beneide den Editor nicht, der das tun muss. Am besten man ärgert sich nicht allzu sehr über eine Ablehnung, arbeitet die Kommentare der Reviewer in das eigene Manuskript ein und schickt es fröhlich zur nächsten Zeitschrift.
In diesem Sinne: Frohe Weihnachten für alle Autoren, Reviewer und Editoren!


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