Als Postdoc oder Senior Researcher hat man lange Veröffentlichungslisten, wird eifrig zitiert, wird dauernd für Reviews eingeladen, ist gut vernetzt und forscht zur Not auch mal ohne Geld an einem interessanten Thema. Allerdings funktioniert das alles nicht ohne von Zeit zu Zeit ein Drittmittelprojekt zu bekommen, um Doktoranden zu finanzieren und teure Lösungsmittel zu kaufen. Eingeworbene Drittmittel gehören genau wie Veröffentlichungen zu den harten Evaluationskriterien. Kaum ein Institut kann heute noch alle nötigen Stellen über Hausmittel finanzieren.
Drittmittel einzuwerben gehört auch zum Konzept der Juniorprofessuren: “Wir finanzieren dem aufstebenden Jungforscher für ein paar Jahre seine Stelle und ein Büro und er/sie kümmert sich um den Rest und wirbt Drittmittel ein.”
Wer es schafft Drittmittel zu bekommen, kann für ein paar Jahre selbst bestimmen was er erforscht und wird zum Arbeitsgruppenleiter. Wer Erfolg hat schwimmt obenauf; wer kein Glück bei der Mittelvergabe hat steht bald allein und ohne Geld da. In den Unis ist das schon lange Gang und Gäbe. In anderen Forschungseinrichtungen geht der Trend parallel zum schrumpfenden Grundhaushalt ganz klar in diese Richtung. Wer Geld bekommt für seine Idee, Leute einstellen und eigene Konzepte umsetzen kann, hat es geschafft und sollte doch eigentlich glücklich sein. Eine Arbeitsgruppe zum eigenen Lieblingsthema zu leiten ist sicher toll und ermöglicht ein gewisses Maß an Unabhängigkeit. Aber man hat auch doppelt so viele Dienstreisen wie vorher, doppelt so viele Publikationen (mit) zu schreiben, nebenbei noch die Projektkoordination am Hals, die Finanzen im Blick und regelmäßige Telefonkonferenzen mit der Verwaltung. Dauernd gibt es neue Formblätter und man ist auch noch Schuld, wenn etwas nicht klappt. Die typische Chef-Situation. Bekommt man mehr Geld für die ganze Arbeit? Nein – es ist alles nur für die Karriere und dafür beim nächsten Call wieder dabei zu sein und ein noch größeres Projekt an Land zu ziehen. Man ist gleichzeitig am Ziel seiner Wünsche und wird zum Manager in eigener Sache und/oder findet sich als seine eigene Sekretärin wieder. Es ist aus mit dem Labor! Schreibtisch, Telefon und Flughafen sind die neuen Arbeitsorte. Ich habe schon öfter von Projektleitern gehört, dass sie ihre eigenen Mitarbeiter beneiden, die noch richtig praktisch forschen dürfen. Ich kann das gut verstehen.

…und die beneideten Mitarbeiter streben danach, einmal so zu werden, wie ihr Projektleiter, um dann später ebenfalls die Mitarbeiter, die so werden wollen, wie sie, zu beneiden…? Tja, das Hamsterrad oder ist es gar das Schicksalsrad? Naja, wahrscheinlich gibt es Schlimmeres, aber vielleicht gibt es auch Lösungsansätze oder Alternativkonzepte? Nur daß die Wissenschaftler nicht die Zeit und Nerven haben, sich auch noch mit diesen ebenfalls fachfremden Themen auseinanderzusetzen?
(falls hier jemand frustriert sein sollte)!
Gruß, guten Mut und viel Frustrationstoleranz
Viele der Aufgaben lassen sich deligieren, aber nicht alles. Im Extremfall jettet man um die Welt und ist vollauf damit beschäftigt wichtig zu sein, während die Drittmittel-Mitarbeiter einem zu Hause den Rücken frei halten. So weit bin ich leider noch nicht
Ein erfolgreicher Forscher ist immer auch ein guter Manager.
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