Archiv der Kategorie: Konferenz

Der Preis ist heiß

Eine Auszeichnung im Lebenslauf zu nennen, ist immer gut. Egal, ob man nun der Beste von zweien oder von 100 war. Meist sieht man dem Preis die Konkurrenz nicht an. Beste Diplom- Master oder Doktorarbeiten werden von verschiedenen Zirkeln in Deutschland ausgezeichnet. Junge Forscher/innen haben auf Veranstaltungen, z.B. von der SETAC, die Möglichkeit für den besten Vortrag oder das beste Poster ausgezeichnet zu werden. Um diesen Preis zu bekommen, muss man  unterhalb einer Altersgrenze sein, die ich sicherlich nicht mehr erreiche. Die alten Zwölfender unter den Forschern schustern sich gegenseitig Medaillen und Preise zu, die es erst ab 50 Jahre langer Aufopferungen für das Lieblingsthema kurz vor der Rente gibt. Man kann als bewährter Forscher auch gleich Ehrenmitglied einer Fachgesellschaft werden.

Für alle, die altersmäßig zwischen Post-Doc und Emeritierung liegen, ist es viel schwerer einen Preis zu bekommen. Positive Ausnahme war die letzte Tagung der SETAC-GLB in Landau. Hier wurden, nachdem die Jungforscher bedacht waren, wohlwollend Preise für besondere Leistungen verliehen: Der Vortrag mit dem kürzesten (längsten) Titel wurde prämiert, es gab ein Präsent für die früheste Anmeldung zu Tagung und für die meisten Coautorenschaften. Ja, das lob‘ ich mir! Da kommen auch die bisher bescheiden im Hintergrund stehenden Arbeitsgruppenleiter endlich mal ins Rampenlicht und können sich die hart verdiente Ehrung abholen. Wer seinen Preis für den “längsten Vortragstitel“ selbstbewusst im Lebenslauf seiner nächsten Bewerbung nennt, der beweist zumindest eines: Er oder sie hat Humor und kann über sich selbst lachen. Wenn das nicht ein guter Grund ist, die Person zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen.

Zukünftige Themen in der Ökotoxikologie

Als Rückschau auf die Jahrestagung von SETAC Europe in Sevilla hat SETAC Globe zuküftige Themen identifiziert.

Ganz wichtig erscheint mir die Brücke zu schlagen zwischen Effekten und ihrer Relevanz für die Population (“linking biomarker and higher level effects”). Was sagt eine erhöhte Enzyminduktion über den Gesundheitszustand eines Fisches aus? Ist sie ein frühes Warnzeichen für etwas, was sich nachteilig auf den Organismus oder sogar auf die Population auswirkt? Das sind die Fragen die im Bioeffektmonitoring  im Zusammenhang mit der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie auf uns zukommen werden.  In  direkter Verbindung dazu sehe ich die “Community and ecosystem vulnerability” also die Belastbarkeit von Lebensgemeinschaften. Hier gehen wir noch einen Schritt weiter und setzen unsere bewerteten Ergebnisse in ein Beziehungsnetzwerk ein und erhalten am Ende eine Risikoabschätzung.

Wie schön, dass wir auch in Zukunft genug große Herausforderungen haben werden.

SETAC Europe 2010 in Sevilla

Zur SETAC kamen dieses Jahr im Mai über 2000 Teilnehmer nach Sevilla. Das sind mehr als je zuvor zu einer SETAC Europe gekommen sind. Dabei spielt sicher auch der attraktive Tagungsort eine  Rolle. Bei so einer  Zahl an Besuchern wird die Konferenz gigantisch groß: Man trifft Leute, von denen man weiß dass sie dort sind, oft tagelang nicht wieder. Teilweise findet man sich nicht einmal auf den Abendveranstaltungen. Es gab dieses Mal neun parallele Vortragsreihen und viele überlappendende Sonderveranstaltungen, so dass man eigentlich ständig etwas verpasst hat. Ja, sicher, man trifft viele alte und neue Kollegen und tut das, was bei so einer Konferenz ganz wichtig ist: “socializen” und natürlich Poster-Handouts einsammeln. Aber etwas “familiärer” hätte es mir besser gefallen. Sagen wir mal unter 1500 Menschen :-)

Im nächsten Jahr findet die Tagung in Mailand statt und wird sicher auch wieder gut besucht werden. Schön für die SETAC!

BEAST annual meeting in St. Petersburg

Das BONUS Projekt BEAST geht ins zweite Jahr und die ersten Ergebnisse liegen vor. In St. Petersburg im Zoologischen Institut und im Wissenschaftlichen Forschungszentrum für Ökologische Sicherheit trafen sich alle Beteiligten und diskutierten über Expeditionen, Experimente, Ergebnisse und Datenbanken. Das Treffen war perfekt organisiert und bot nach dem wissenschaftlichen Programm auch die Möglichkeit die Sehenswürdigkeiten der Stadt zu genießen. BEAST ist zu einem Netzwerk der Meeresforscher aus  allen Ostsee-Anrainerstaaten geworden. Wir freuen uns auf  die nächsten arbeitsreichen Jahre in BEAST!

SETAC-GLB setzt sich für Forschungsförderung ein

Die deutschsprachige Ökotoxikologie-Szene traf sich vom 5.-7. Oktober  in Freising/Weihenstephan. Mit 250 Teilnehmern war die Tagung gut besucht. Die hohe studentische Beteiligung ist auch den von der SETAC-GLB ausgeschriebenen Nachwuchspreisen zu verdanken:  Die Preisträger 2009,  Dr. Urs Schenker und Jens Otte, hielten zwei souveräne Voträge.  Zahlreiche Beiträge, Diskussionsrunden und über 80 Poster waren für das Gelingen der Veranstaltung genauso wichtig wie der bayrische Abend im “Braustüberl”.

Trotzdem gab es auch kritische Töne: In einer Podiumsdiskussion unter der Leitung von Prof. Henner Hollert (im Bild ganz rechts) wurde die schlechte Fördersituation für Projektanträge mit ökotoxikologischer Fragestellung in Deutschland thematisiert. Die Ökotoxikologie ist zurzeit nicht “sexy” genug, um gegen Modethemen wie Klimaforschung oder Biodiversität zu bestehen. Andere Länder wie England stehen in der Ökotoxikologie besser da, als Deutschland, wenn man die Zahl der Publikationen in diesem Themengebiet zugrunde legt. Ökotoxikologische Fragestellungen werden im Zusammenhang mit der Chemikalienbewertung (REACH) weiter wichtig bleiben. Deutschland sollte nicht durch zurückhaltende Förderpolitik auf gut ausgebildete Experten verzichten. Die SETAC-GLB wird sich für ein Umdenken in der Förderlandschaft  einsetzen.
Podium SETAC-GLB

Der Fluch der Poster Handouts

Postersession SETAC Göteborg 2009

Auf einer großen Konferenz wie der SETAC 2009 in Göteburg will jeder der über 1500 Konferenzbesucher ein Poster zeigen, einen Vortrag halten oder eine Session leiten. Die “alten Hasen” bieten gleich einen ganzen Blumenstrauß dieser Aktivitäten an und erscheinen im Abstract-Book mit eine langen Aufzählung solcher Aktivitäten. Je länger die Liste, desto wichtiger die Persönlichkeit bzw. desto größer seine/ihre Arbeitsgruppe und Netzwerk.

Vier Tage  lang wurden auf der Konferenz morgens gefühlte 500 Poster aufgehängt und abends wieder abgenommen um Platz für die Poster des folgenden Tages zu schaffen. Das ist eine Informationsflut in Tsunami-Größe.

Und was sind jetzt Poster-Handouts? Das ist die papiergewordene Take-Home-Message: Eine Din-A4-Version des Posters, die man einsammeln und später lesen kann. Bei hunderten von Postern täglich ist es kaum möglich auch nur die wichtigsten direkt zu erfassen. Und was ist mit den anderen? Nun von denen nimmt man sich eben ein Handout mit.

Diese Handouts sind aber irgendwann mal alle. Der findige Handoutsammler lässt also am frühen Vormittag gezielt eine Session aus, um VOR der offiziellen Posterbegutachtung in der ersten Kaffeepause  schnell alle wichtigen Handouts einzusammeln. Nach vier posterhaltigen Tagen hat er dann einen dicken Stapel an Informationen zum nach hause tragen. Leider macht das viel Stress während der Konferenz und  die Erfahrung zeigt, dass man diese Handouts nicht liest sondern sie nach einigen Jahren im Schreibtisch wieder findet und nur noch wegwirft.

Also was tun? Mit den Leuten vor den Postern sprechen und diskutieren halte ich für viel wertvoller. Lasst die Handouts stecken, tauscht Visitenkarten und redet auch mal mit einem Posterpresenter vor einem vermeintlich uninteressanten Poster. So macht Konferenz auch am letzten Tag noch Spaß!