Forschungsthemen haben immer etwas mit Mode zu tun. Technische Neuerungen sind eine wichtige Kraft, um neue Themenfelder zu entwickeln und wachsen zu lassen. In den letzten 10 Jahren haben die “Omics” einen großen Sprung nach vorn gemacht. RT-PCR und DNA-Chips machen es möglich. Mittlerweile haben wir uns von Genomics über Proteomics bis zu den Metabolomics vorgearbeitet (geht es noch weiter?). Trotzdem bin ich persönlich bei vielen Studien noch skeptisch. Ich glaube nicht an die Stratgie eine Chemikalie in einem Testsystem quasi nach dem Gießkannenprinzip zu testen: 250 Gene (bzw. Proteine oder Enzyme) sind nach der Exposition mit Chemikalie X hoch reguliert, 100 Gene runter reguliert und nach ein paar RT-PCR-Untersuchungen zu Absicherung kann man darüber philosophieren warum der Citratzyklus oder der Fettsäurestoffwechsel in meinem Testorganismus beeinflusst wurde.
Wie es anders geht? Ganz einfach – Man braucht eine Hypothese, eine Idee, eine Theorie wie die Chemikalie wirkt und guckt sich dann gezielt die Gene an, die mit dem Stoffwechselweg zusammenhängen. Am besten funktioniert das, wenn man beispielsweise beim Zebrafischembryo eine Chemikalien-iduzierte morphologische Veränderung (an Augen, Herz, Wirbelsäule…) entdeckt hat, und diese dann mit den Genen in Beziehung setzen kann. Beim Zebrafisch ist dieser Weg besonders dankbar, weil das Genom aufgeklärt ist und zahlreiche Publikationen vorliegen.
Man braucht also nicht unbedingt die Gießkannenmethode per DNA-Chip.
Man rät einfach die Gene, weil man eine Hypothese hat.

Die Isolierung von RNA ist nicht trivial – schon gar nicht aus Fischeiern. Wenn man einige Randbedingungen beachtet ist es aber einfacher als man denkt. Der größte Feind der RNA sind RNAsen, die praktisch überall - besonders an den Fingern des Analysators – zu finden sind. Also: Embryonen in flüssigen Stickstoff schockgefrieren, schnell und in RNAse-Inhibitor Puffer wieder auftauen. Handschuhe, Kittel und ein sauberer Arbeitsplatz sind Pflicht. Bitte auch die Plastikteile nur mit sauberen Handschuhen oder Pinzetten anfassen. Pipettenspitzen mit Handschuhen in die Boxen stecken oder fertig gesteckte verwenden. Frisch gekaufte Plastikwaren sind in der Regel RNAse frei. Die Probe sollte während der Extraktion immer auf Eis gekühlt werden, obwohl RNA höhere Temperaturen verträgt. Potentiell enthaltene Enzyme kommen in der Kälte aber nicht zum Zug.

Wenn man sich schon auf das 96-Well-Design einigen konnte, warum nicht dann auch auf die anderen Dimensionen und die Rocklänge? Ich warte gespannt
Spielwiese für Genetiker. Die Embryonalentwicklung der Tiere ist in wenigen Tagen abgeschlossen und man kann durch die transparente Eihülle quasi dabei zugucken. Neu herausgefischte Gene werden vom Entdecker mit einem wohlklingenden Namen bedacht. So gibt es etwa die Gene “pekinese (kurzer Kopf)”, “faust” (zwei herzen) und “roling stones” (lose Gehörsteine). Toll sind auch die genetisch veränderten Zebrafische, in deren Code man beispielsweise Gene für ein rotes Protein eingeschleust hat. Diese Fische sind tatsächlich komplett rot und fangen theoretisch an zu leuchten, wenn das Gen, das man unsichtbar an das rote gekoppelt hat, angesprochen wird. Leider hat sich das Konzept der leuchtenden Fische nicht durchgesetzt. Vielleicht leichten sie doch nicht so hell 